Angenommen Tori Kirkas

Alter
17
Geschlecht
weiblich
Rasse
Mensch
Heimat
felsige Berglandschaft des dritten Monds des Planeten Roxana II
Hautfarbe
hell, durch die Entfernung zur Sonne des Systems
Haarfarbe
hellblond
Augenfarbe
blau
Besonderheiten
diverse Tattoowierungen am gesamten Körper

Jeckel

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Tori Kirkas
#1
Bewerbung für Season 3:

“Das ist eine schlechte Idee.” Tori straffte die schmalen Schultern. “Eine ganz, ganz schlechte Idee.” Sie drehte sich zu ihrem Gesprächspartner und strich der kleinen Stute die Fransen aus der Stirn. Mühelos schwang sie sich auf den blanken Rücken und ritt den engen Gebirgspfad weiter hinunter. Sie wusste, was Gunnar sagen würde. Aber sie konnte nicht anders. Gähnend lenkte sie die Fuchsstute auf einen kaum sichtbaren Nebenpfad, den nur wenige kannten. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und sie schüttelte sich unwillkürlich. Eigentlich hätte die Strecke kein Problem sein dürfen, sie sollte nur den nächsten Bergkamm passieren und eine der anderen Gruppen kontaktieren. Ein Ritt von vielleicht drei Tagen, aber sie war unkonzentriert. Seit sie und Gunnar vor drei Tagen die kleine Herde entdeckt hatten schlief sie nicht gut. Sie erwachte mitten in der Nacht mit rasendem Herzen und konnte über Stunden nicht einschlafen. Trotzdem hatte Gunnar sie losgeschickt um die Gruppe seines Halbbruders als Hilfe für den geplanten Treibfang zu gewinnen. Unwillkürlich zog sie ihren Umhang etwas fester und vergrub die Hände tiefer in der struppigen Mähne der Stute. Der Winter kündigte sich bereits mit kalten Winden an, auch wenn der eigentliche Schneefall erst in einigen Wochen erfolgen würde. Tori fragte sich, wann die Stammesführer das Winterlager ausrufen würden. In der schlimmsten Zeit des Winters lagerten alle Reitergruppen bei der Hauptgruppe und waren so in der Lage sich gegenseitig zu helfen. Abgesehen von kurzen Momenten, die sich über das Jahr verteilten, war es der einzige Zeitraum in dem man Freunde aus anderen Gruppen sehen konnte.
Die Dunkelheit legte sich immer tiefer über die Umgebung und Tori entschloss sich, schon ein kleines Nachtlager aufzuschlagen. Auf dem schmalen, kaum begangenen Pfad war die Gefahr zu groß, dass die Stute doch einen falschen Tritt tat und sich verletzte. An einer geeigneten Stelle, die etwas geschützt zwischen zwei hohen Steinen lag, ließ sie sich vom Rücken der Fuchsstute gleiten und klopfte ihr liebevoll den Hals. Unbewusst lächelte sie, während sie das kleine Pferd weiter zwischen die Felsen führte. “Ja, so ist es gut, Rot. Braves Mädchen.” Rot hob den Kopf und pustete ihr ihren warmen Atem ins Gesicht. Tori hatte die Stute nach einer erfolgreichen Jagd im letzten Jahr gemeinsam mit Gunnar ausgesucht. Ihm verdankte das fuchsfarbene Tier auch den treffenden Namen Rot. Das Gefühl beobachtet zu werden nahm schlagartig zu und Tori fuhr herum, aber außer Rot, die erschrocken den Kopf hochwarf, geschah nichts und sie konnte auch nicht sehen. “Du bist verrückt”, murmelte sie leise. “Und jetzt redest du auch noch mit dir selbst. Das ist bestimmt nur irgendeine verirrte Bergkatze.” Aber das Gefühl blieb, als sie sich in ihre Decke wickelte und an den Felsen lehnte. Müde schloss sie die Augen.
Sie träumte von einem kleinen Jungen mit blonden Haaren und gebrochenen Beinen. Gesichtslose Gestalten standen um sie herum und zeigten mit den Fingern auf sie. Deine Schuld, deine Schuld!, raunten sie leise. Nervös blickte sie sich um, als die Gestalten immer näher kamen und der Junge sie ebenfalls anklagend ansah. Ein paar Schritte entfernt sah sie Rot stehen und lief erleichtert auf die Stute zu. Bevor sie aufsteigen konnte drückte das Pferd ihr den Kopf energisch gegen den Oberkörper. Was denkst du dir denn?, fragte die Stute sie, dann landete sie auf dem Boden.
Tori fuhr mit weit aufgerissenen Augen hoch. Ihr Herz raste und sie fühlte einen Schweißfilm auf ihrer Haut, der sie frösteln ließ. Ein Blick zum Himmel zeigte ihr, dass nicht viel Zeit vergangen war. Schniefend wickelte sie sich fester in die Decke und starrte in die Dunkelheit. Sie hatte die unbestimmte Ahnung, dass irgendjemand oder etwas sie seinerseits beobachtete. Ein Schauer lief ihr den Rücken herunter.
Die restliche Nacht verlief ohne weitere Ereignisse, aber als die Sonne langsam aufging hatte Tori kein Augen zu machen können. Steif stand sie auf und band ihre Decke zu einem Bündel. Sie hauchte ihre kalten Finger an, dann ging sie zu Rot, die ein paar Schritte entfernt das wenige trockene Gras abfraß. Einen Moment lag erwartete sie, dass die Stute etwas zu ihr sagen würde, aber sie schnaubte nur sanft und stupste sie an. Gähnend schwang Tori sich wieder auf das Pferd und lenkte sie wieder auf den Weg. Unbekannte Blicke schienen ihr zu folgen.
Gegen Mittag erreichten sie das kleine Lager von Gunnars Halbbruder. Sie kündigte sich rufend an: “Gunnar Larsson schickt mich! Ist Godrik da?” “Wer will das wissen?”, ein großer Mann mit struppigem Bart erschien zwischen den Zelten, dann begann er zu grinsen. “Wenn das mal nicht die kleine Tori ist! Schickt mein Bruder dich immer noch alleine durch das Gebirge?” Tori lächelte müde und kam näher. “Wir haben eine Herde gefunden. Gunnar bittet euch um Hilfe.” Godrik nickte verstehend. “Ich verstehe. Aber die Stammesführer haben uns ins Winterlager gerufen. Wir kommen mit dir und holen Gunnar und seine Leute ab.” Also würde es keine Jagd mehr geben, Tori unterdrückte ein Gähnen. “Wir bauen die letzten Zelte ab, dann können wir los”, Godrik drehte sich bereits um und half seinen Männern, Toris Nicken bemerkte er nicht mehr. Während die Männer die Taschen auf die Pferde banden, tränkte Tori Rot an einem kleinen Bach und aß selbst etwas.
Als sie sich wieder auf den Rücken der Fuchsstute setzte meinte sie, in einiger Entfernung eine Glocke läuten zu hören. Verwirrt drehte sie sich und versuchte zu hören, wo das Läuten herkam.
“Du siehst nicht gut aus, kleine Tori”, Godrik hatte sich zu ihr zurückfallen lassen und sah sie mit einem seltenen Blick voller Besorgnis an. “Ich schlafe nicht gut.” Eigentlich schlief sie fast gar nicht, musste sie sich selbst eingestehen. “Das sehe ich an den Ringen unter deinen Augen. Du tätest besser daran, Ringe an den Ohren zu tragen, als im Gesicht.” Tori lächelte schwach. “Ich werde es versuchen.” Die Glocken im Hintergrund wurden kurz lauter, dann verstummten sie wieder.
Zwei Tage später begleiteten die Glocken sie in jedem wachen Augenblick. Sie konnte sich nur schlecht auf ihre Umgebung konzentrieren. Gunnar sah sie schockiert an, als sie am Nachmittag in das abgebaute Lager ritten. “Tori, du siehst furchtbar aus!”, rief er und die Männer lachten verhalten. Ein kleines Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. “Ich brauche nur Schlaf.” Die Aussage hatte sie in den letzten Tagen auch Godrik gegenüber mehrmals gemacht. Jetzt sahen beide Männer sie besorgt an. Unwohl blickte sie sich um, aber außer dem beiden beobachtete sie niemand. Zittrig strich sie mit der Hand über Rots warmen Hals und atmete tief durch. “Wir müssen zum Winterlager ziehen und sollten keine Zeit verlieren”, sagte sie leise zu Gunnar, der widerstrebend nickte.

Auf dem Weg in die tiefer liegenden Gebiete ließ sie sich zusehens ans Ende der Gruppe fallen, um den besorgten Blicken zu entgehen. Je stiller es um sie herum wurde, desto lauter und durchdringender hörte sie die Glocken, deren Schläge in ihren Knochen widerzuhallen schienen. Trotzdem hörte niemand um sie herum das Läuten und sie traute sich nicht, einen der anderen darauf anzusprechen. Tori schlief jetzt seit etwas mehr als einer Woche nicht mehr als einige Stunden pro Nacht. Das Gefühl des Verfolgtwerdens nahm zu und sie blickte sie immer wieder um, konnte aber niemanden entdecken. Letzte Nacht hatte sie keine Stunde geschlafen und langsam bildete sie sich ein, dass die wenigen Bäume sich näher beugten, wenn sie an ihnen vorbeiritt. Die einzige Sicherheit bot ihr Rot, die ungestört von den Ängsten ihrer Reiterin trittsicher ihren Weg durch das meist unwegsame Gelände fand.
Auch nachts hielt sie sich abseits, während die Glockenschläge sie wach hielten und sie sich mit dem Rücken an einen Felsen drückte. Jedes Geräusch ließ sie aufschrecken und sie war sich fast sicher, dass irgendwas sie beobachtete, besonders nachts. Am nächsten Morgen musste sie Gunnar und Godrik ausweichen und ritt erneut weit hinter den anderen. Der Abstand zwischen ihr und der Gruppe vergrößerte sich immer mehr, bis ihr gegen Mittag schwarz vor Augen wurde und sie nur noch merkte, wie sie langsam von Rots Rücken rutschte.

Das erste, was sie hörte, war ein leises Flüstern, das aber bald von einem rauschenden Geräusch übertönt wurde. Tori schlug die Augen auf und das Flüstern erstarb, während das Rauschen blieb. Geblendet kniff sie die Augen zusammen, dann bemerkte sie die Wärme auf ihrer Haut. Vorsichtig blickte sie auf ihre Hände und sah einen Stein in ihrem Arm. Hektisch versuchte sie ihn weg zu wischen, aber er schien mit ihrem Arm verwachsen zu sein. Außerdem trug sie außer ihrer Unterwäsche keine Kleidung, schützend schlang sie die Arme um ihren Körper. Sie drehte sich zu dem Rauschen um und erkannte eine weite, bläuliche Wasserfläche, die sich bis zum Horizont erstreckte. Erfürchtig musterte sie die Wassermassen. War das etwa ein Meer? Der alte Sven hatte ihr davon erzählt, aber sie hatte noch nie eines gesehen. Ein merkwürdig beklemmendes Gefühl machte sich in ihr breit. Sie drehte sich vom Meer weg und blickte den Strand entlang, hinter dem dichtes, grünes Dickicht begann. Ein paar Schritte von ihr entfernt lief ein merkwürdiges Tier mit einem dicken Rückenpanzer auf das Wasser zu.
Wo war sie nur?


Ein paar Worte zu mir:
Ich heiße Meike, bin 17 und gehe zur Zeit in die zwölfte Klasse. Ich habe auf Youtube etwas über Ark-RPG-Server gesehen und dann einfach gesucht, welche es da gibt. Eure Seite habe ich meine ich bei der Vorstellung für Season 1 im Arkforum gefunden. Ein bisschen Rollenspielerfahrung habe ich durch das Liverollenspiel und eine Pen&Paper-Runde mit Freunden, Ark habe ich bisher "ganz normal" gespielt, aber mir gefällt die Idee, eine ganze Welt zu beleben, also hier bin ich.
 
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Tealk

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Finde dich bitte für ein kurzes Gespräch auf unserem Teamspeak Server ein.
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Jeckel

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Tori Kirkas
#3
Nachdem ich jetzt doch langsam mehr über Tori erzählt habe, gibt es auch ein bisschen schriftliche Hintergrundgeschichte:



Es war eine verregnete und dunkle Nacht auf dem dritten Mond des Planeten Roxana II, als die kleine Reisegruppe endlich in dem Dorf ankam. Das Dorf an sich bestand aus einigen kleinen Hütten, die sich an den flachen Hang des nahem Hügels duckten. Der Mond auf dem sich die kleine Siedlung befand zeichnete sich durch seine atembare Atmosphäre, ein meist stabiles Ökosystem und einen bemerkenswerten Mangel an Technik aus. Die Bewohner des Mondes wussten, dass es auf anderen Planeten des Universums fremde und wunderliche Dinge geben sollte, aber daran interessiert waren sie nicht. Sie konnten sich schlicht nichts darunter vorstellen. Aber zurück zu der Nacht in der diese Geschichte beginnt.
Der Anführer der Reisegruppe stieg von seinem Pferd und führte es unter das Vordach des größten Gebäudes der Siedlung. Seine vier Gefährten folgten ihm mit ihren Reittieren und schüttelten fluchend das Wasser von ihren schweren Umhängen. Still verharrte der Anführer bei seinem Pferd, einem kleinen, stämmigen Wesen mit dichtem Fell. “Gunnar”, richtete einer der Männer das Wort an ihn. “Es ist Zeit.” Gunnar Larsson nickte ruhig, dann streifte er die Kaputze ab und strich sich das nasse, dunkle Haar aus der Stirn. Die Tür des Hauses wurde vor den fünf Männern geöffnet, sie wurden bereits erwartet.
Der Raum schien zu schrumpfen, als die Männer ihn betraten und die Dorfbewohner drängten sich unwillkürlich an die Wände des Hauses. Gunnar straffte die Schultern und wandte sich an den Dorfvorstand, einen jungen, verängstigten Mann. “Es ist an der Zeit”, sagte er ruhig. “Ein Kind aus eurer Mitte für unser aller Überleben.” Es fiel ihm nicht leicht diese Forderung zu stellen, aber so war es Brauch. Die Dörfer gaben einmal im Jahr ein Kind an die Stämme und erhielten im Gegenzug Tiere und Güter aus den Gebirgszügen. Der Dorfvorsteher zögerte und langsam kam es Gunnar merkwürdig vor. Er wurde ungeduldig. “Jetzt gebt uns einen Jungen, dann gehen wir. Ihr erhaltet die Zugtiere morgen bei Sonnenuntergang, wenn die Treiber sie hergebracht haben.” Furcht lag auf dem Gesicht des schmächtigen Mannes und er räusperte sich leise. “Nun, es gibt da ein Problem”, wisperte er leise. “Der ausgewählte Junge, nun, seht selbst.” Eine Frau schob einen vielleicht sechs Jahre alten Jungen nach vorne. Auf dem ersten Blick fiel Gunnar nicht auf, was der Dorfvorsteher meinte. Das Kind war zwar etwas klein, hatte aber klare Augen, die ihn etwas furchtsam von unten ansahen. Aber dann raunte einer seiner Männer leise. “Seht euch doch seine Beine an!” Und dann sah er, was der Dorfvorsteher meinte. Die Beine des Kindes waren verdreht, so dass er wohl nie ohne Schmerzen schnell und sicher laufen würde. Eine Fähigkeit, die sie bei ihren Aufgaben unbedingt brauchten. “Gibt es denn kein anderes Kind im geeigneten Alter?”, fragte er barsch. Die Augen des Vorstehers weiteten sich angstvoll. “Nun ja, doch”, wich der Mann ihm aus. “Es ist nur —” “Ist das Kind auch verletzt? Vielleicht blind?” Gunnar ärgerte sich. Eigentlich hätten seine Männer und er längst wieder auf dem Weg sein müssen. Mit einer Geste bedeutete der Dorfsteher einer älteren Frau hastig das andere Kind nach vorne zu schieben. Wie ein Mann rückten die Dörfler ab, als die Frau es nach vorne schob. Gunnar zog misstrauisch die Brauen zusammen. Er musterte das Kind kritisch. Es hatte helle Haut, wie alle Bewohner des Mondes — das war der großen Entfernung zur Sonne des Systems geschuldet, aber das wusste Gunnar nicht — aufmerksame, neugierige Augen, eine Eigenschaft, die er auch an seinen Pferden schätzte, und war unter der Kleidung scheinbar sehr dünn. Er brummte und die Furchen in seinem Gesicht vertieften sich. “Ein Mädchen?”, fragte er schließlich. “Nun gut”, er zuckte mit den Schultern. “Ob ein Junge oder ein Mädchen, wir nehmen sie mit.” Er streckte auffordernd die Hand aus, aber das Mädchen machte sich von der Frau los und umarmte den Jungen mit den gekrümmten Beinen fest. Sie flüsterte ihm etwas ins Ohr, dass Gunnar nicht hören konnte, dann ging sie langsam auf Gunnar zu und legte ihre kleine Hand in seine. Nun, er hätte es besser wissen müssen. Ein Blick in ihre hellen, blauen Augen reichte und er wusste, dass er so gut es ging auf sie achten würde.
Die Männer verließen noch in derselben Nacht das Dorf, das Mädchen saß vor Gunnar im Sattel und versteckte sich unter seinem Umhang. Ihre langsamen Atemzüge sagten ihm, dass sie schon nach wenigen zurückgelegten Meilen eingeschlafen war.

Das Mädchen, das Gunnar in dieser Nacht aus dem Dorf geholt hatte, lernte gemeinsam mit den anderen Kindern der Stämme alles, was sie zum Leben brauchen würde. Gunnar hielt sein Versprechen ein und hatte während der Ausbildungsjahre stets ein Augen auf sie. Und als sie schließlich einer Gruppe zugeteilt werden sollte, nahm er sie erneut unter seine Fittiche.
“Mädchen!”, Gunnar hob den Kopf und sah seinen Schützling auch schon mit den Eimern heraneilen. Die Zwölfjährige schwankte unter dem Gewicht der Wassereimer von links nach rechts, biss allerdings entschlossen die Zähne zusammen. “Ich bin schon da, Gunnar”, sie keuchte und stellte die Eimer vorsichtig vor ihm auf den Boden. Ein blauer Fleck prangte auf ihrem Kiefer und der großgewachsene Mann schüttelte nur den Kopf. “Mit wem hast du dich schon wieder angelegt, Kleines?” Sie rollte mit den Augen. “Mausgesicht hat einer der Stuten die Schweifhaare ausgerissen. Ich habe ihm gesagt er soll es lassen.” “Du hast es doch sicher Leif gesagt”, Gunnar wandte sich ab, damit sie sein Grinsen nicht sah. “Musste ich nicht”, schnaubte sie und ließ sich neben dem Feuer fallen. “Er hat's gesehen und jetzt sieht Mausgesicht wohl noch schlechter aus als ich.” Er hörte sie fast schon grinsen. “Gut”, sagte er mit unbeteiligter Stimme. Sie mochte zwar kleiner als ihre Altersgenossen sein, aber sie wusste sich zu helfen. Das hatte ihr auch ihren Namen eingebracht. Bei den Stämmen musste sich jedes Kind einen Namen verdienen. Ihren Namen hatte ihr der alte Sven gegeben, der noch von einem der anderen Planeten stammte. Er nannte sie Tori, nach “victoria”. Der Alte behauptete, dass es in irgendeiner alten Sprache wohl “Sieg” oder so bedeutete. Auch wenn er als Geschichtenerzähler den Kindern von ihren Bräuchen erzählte, war der Verstand des Alten nicht mehr der klarste. Gunnar war das Recht, solange sich der Mann noch auf einem Pferd halten konnte. Und Tori freute sich über diesen Namen.

Nur wenige Wochen nach diesem Ereignis vielen die ersten Schneeflocken und alle Gruppen wurden in das Winterlager gerufen. Gunnar beobachtete, wie das Mädchen angespannt auf dem Rücken des alten Pferdes saß. Man gab den Kindern häufig die ruhigen, in die Jahre gekommenen Tiere um ihnen die Angst zu nehmen und sie das Reiten zu lehren. Seine Gruppe befand sich bereits seit einiger Zeit in einem kleinen Verband mit zwei anderen Gruppen, da sie kurz vor Winterbeginn alle eine Richtung anstrebten. Nur selten zogen alle Gruppen bis zum letzten Moment allein durch das unwegsame Gebiet. Ihm gefiel das Zusammensein genauso wie die Einsamkeit und er merkte, dass die Nähe anderer Kinder Tori gut tat. Es war das zweite Jahr, das sie fort von den festen Verbünden verbrachte in denen die Kinder aufgezogen wurden. Die Kleine machte sich gut und lernte eifrig ihr Handwerk. Schon bald würde er mit ihr ein Pferd ausbilden, anstatt es nur zu reiten. Jetzt beobachtete er allerdings, wie ihre Augen sich weiteten als sie in das große, geschützte Winterlager einritten. Lärm kam ihnen aus allen Richtungen entgegen und er hörte die ersten grüßenden Stimmen. Ja, er würde sich wohl heute Abend am Feuer einen Krug Met genehmigen. Aber davor würde er Tori die Höhle der Vorfahren zeigen.
 

Jeckel

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Tori Kirkas
#4
Tori konnte nie genug sehen, wenn sie in das Winterlager kamen. Sie hörte die Geräusche der anderen Menschen und roch das schwere Aroma der Pferde und Nutztiere in der kalten Luft. Gunnar neben ihr grinste zufrieden und hob grüßend die Hand, wenn sie an Bekannten und Freunden vorbeiritten. Anders als sie selbst war Gunnar bei den Stämmen geboren worden, aber das spielte keine Rolle, sofern man seinen Aufgaben nachkam. Aufmerksam beäugte sie die hohe, hölzerne Palisade, die das Lager vor Tieren und Angriffen schützte. In der Mitte des Lagers erhob sie das große Langhaus aus den kleineren Hütten und Gehegen. Rauch quoll aus den kleinen Dachluken und es herrschte ein reges Kommen und Gehen. Das Langhaus war der Mittelpunkt des Lebens im Winterlager. Die Glut der großen Feuer verlosch nie und in der kältesten Zeit drängten sich alle darin zusammen. Es wurden Geschichten und Erlebnisse ausgetauscht, Freundschaften geschlossen und erneuert. Instinktiv fühlte Tori sich zu dem Gebäude und der Gemeinschaft, die es versprach, hingezogen, auch wenn sie einige der Vorgänge noch nicht richtig verstand. So wie die vielen Menschen Gemeinschaft versprachen, so waren sie auch fremd. Etwas eingeschüchtert ließ sich das Mädchen mehr zu ihrer Gruppe und Gunnar zurückfallen. So viele Menschen hatte sie im gesamten letzten Jahr nicht gesehen. Aber da hielt Gunnar auch schon auf ein kleineres Gebäude neben dem Langhaus zu und saß ab.
Den restlichen Tag verbrachten sie damit, ihre Sachen in dem festen Holzhaus zu verstauen und die Pferde zu versorgen. Am Abend war sie so müde, dass sie sofort auf ihr Lager gefallen wäre, wenn Gunnar sie nicht beiseite gezogen hätte. “Ich muss dir etwas zeigen”, sagte er nur ruhig und bedeutete ihr dann, ihm zu folgen. Müde folgte sie ihm durch das etwas leiser werdende Lager bis zur Felswand, die das Winterlager an der Rückseite umgab. Ein Stück abseits des Langhauses öffnete sich ein dunkler Schlund in der glatten Felswand, der direkt in Hels Reich zu führen schien. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, aber sie zögerte nicht Gunnar zu folgen, als er den Tunnel betrat.
Drinnen war es kühl und es roch nach Stein, Moos und Erde. Irgendwo tropfte leise Wasser in eine Pfütze. “Gunnar?”, fragte sie leise und ihre Stimme hallten an den Wänden wider. “Komm”, erwiderte dieser nur leise und ging weiter in die Dunkelheit. Nach ein paar Schritten hielt er an und ein schabendes Geräusch ertönte, dann loderte eine Fackel auf. Die Wände der Höhle wurden in rötliches Licht getaucht und Schatten huschten über die unebene Öberfläche. Wortlos ging Gunnar weiter und warf einen dunklen Schatten auf den Boden hinter ihm. Nach einiger Zeit wurde der Boden trockener und weicher und das Tropfen von Wasser verstummte. Schließlich hielt Gunnar vor einer Wand an und hob die Fackel.
“Das ist die Geschichte unserer Vorfahren.” Das Bild an der Höhlenwand zeigte eine kleine Gruppe Menschen, die aus einem länglichen, geschlossenen Gefährt ausstiegen. Es erinnerte sie an die kleinen Kanus der Männer aus den Dörfern. “Sie kamen von anderen Planeten hierher und stießen auf die Dörfler. Ihr Schiff war beschädigt, sodass sie nicht zurückkehren konnten. Sie versuchten es zu reparieren, aber scheiterten”, Gunnars tiefe Stimme verhallte leise in der Höhle, als sie weitergingen und die Bilder sich änderten. Erstaunt sah Tori, wie die Vorfahren auf die Pferde stießen, die sich weit das Gebirge hinuntergewagt hatten. “Sie fingen die Pferde und sahen darin ein Zeichen der Götter. Sie gaben den Versuch auf, das Schiff zu reparieren und gingen die Berge hinauf. Dort, wo niemand anderes leben wollte, sahen sie ihre für die Dörfler fremden und grausamen Götter und sie blieben dort. Sie blieben hier”, er machte eine weite Geste mit der er die Höhle, das Lager und die gesamten Berge einschloss. “Sie nahmen ihre Götter mit.” Gunnar ging weiter und die Fackel beleuchtete einen grauhaarigen Mann mit einem Auge, der auf einem achtbeinigen Pferd ritt. Ihm folgten zwei Raben und zwei Wölfe. Tori erkannte in dem Mann den Gott Odin, den viele der Reiter verehrten. Ihre Blicke hingen auf dem Pferd, das auf dem nächsten Bild allein zu sehen war. “Sleipnir, den Loki als Stute geboren hat”, sagte Gunnar und ging weiter. Tori fuhr vorsichtig über die Felswand. “Sleipnir”, flüsterte sie leise, bevor sie Gunnar weiter folgte. Er ging vorbei an Bildern von Loki und Baldur, von Thor und Skadi. Das Schlachtenbildnis der Walküren fesselte Tori ebenso wie zuvor das achtbeinige Pferd. Angeführt von Freija holten die Walküren die Seelen der gefallenen Krieger nach Valhall. Auf dem nächsten Bild folgte das Reich der Göttin Hel und ihr Bildnis. War ihr Gesicht zur Hälfte das einer wunderschönen Frau, so hässlich und tot war das zerfressene Fleisch auf der anderen Seite. Schnell ging Tori weiter und beeilte sich Gunnar zu folgen. Immer weiter schritten sie vorbei an den Göttern, bis sie wieder am Eingang der Höhle ankamen und der Mann neben ihr die Fackel in die Höhe hielt. “Sieh nach oben.” Staunend legte sie den Kopf in den Nacken und betrachtete das riesige Bildnis eines Baums, das an der Höhlendecke schimmerte. “Der Weltenbaum”, flüsterte Gunnar bedächtig. “Er verbindet alle Welten.” Einen Moment verharrte er noch, dann legte er eine Hand auf ihre Schulter und sie verließen gemeinsamen die Höhle. “Sie wirken so fern”, murmelte Tori leise und Gunnar nickte. “Ja, aber man sollte sie nicht unterschätzen. Es sind immerhin Götter!” Sie erahnte das Grinsen unter seinem dichten Bart und lächelte. Genau wie Gunnar und alle der Stämme hatte sie ein Schutzsymbol unter ihrer Haut. “Ja”, nachdenklich schaute sie zu Boden. “Aber es gibt nicht wirklich Pferde mit acht Beinen?” Fragend schaute sie mit ihren großen Kinderaugen zu Gunnar hoch, der laut lachte. “Wer weiß, Kleine.” “Mit acht Beinen muss Laufen wie Fliegen sein.” Tori lächelte breit als der Mann sie erst an sich drückte und dann auf seine Schultern setzte. Gunnar roch nach Pferd und Wind und Schweiß. Für sie war es der Geruch von Zuhause.
 

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