Verstorben Season 3 Pedder Walpot

Alter
38
Geschlecht
(sehr) männlich
Rasse
Norddeutscher
Heimat
Erde, 22. Jahrhundert
Hautfarbe
ziemlich hell
Haarfarbe
Strohblond
Augenfarbe
gewittergrau
Besonderheiten
hager, drahtig, dreistes Grinsen
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Sean MacGregor
#1
Ein wundervollen guten Tag zusammen..

Ich habe mich nun schon eine ganze Weile nach einem schönen Ark-Server für mich gesucht, und hoffe, hier vielleicht fündig geworden zu sein.
Warum nun ausgerechnet hier?
Ich bin seit... etwas mehr als zwanzig Jahren begeisterter Rollenspieler.
Was unter anderem heißt, dass ich...

a) ... offensichtlich eine ziemlich unauslöschliche Neigung zu diesem Hobby habe.
b) ... in einer Zeit groß geworden bin, als Dinosaurier und vor allem Dino-Rider ziemlich toll waren.
c) ... zu alt und langsam bin, um noch im Stress einer Hardcore-Ark-PvP-Servers zu bestehen.

Insgesamt hab ich von den blutigen PnP-RP-Anfängen ("Was genau machen der Drachen, der Goblin und die Mumie im Keller eines Gasthauses nochmal genau, wenn gerade kein Held besagten Keller stürmt?") bis hin zu ziemlich durchstrukturiertem (zu durchstrukturierten?) Online-Rollenspiel ziemlich viel mitgenommen.
Die Kombination aus Online RP und eigener Stimme ist für mich allerdings noch recht neu.. Grund genug, vorsichtig ein wenig damit rumprobieren zu wollen.

Ich hab darum mal versucht, einen hoffentlich sehr einfachen Charakter für den Anfang zusammen zu tippen.. klassischer Schurke/Swashbuckler, der hoffentlich in euer angenehm offenes Setting passt.

Pederchens Mondfahrt

Das 22. Jahrhundert mag eine großartige Zeit für die Menschheit sein. Ein neues Zeitalter für Entdecker, die den Griff zu den Sternen wagen... Unendliche Weiten, unendliche Möglichkeiten!

… Is' ja alles schön und gut, wenn man nicht zu den armen Schweinen gehört, die leider zuhause bleiben mussten. Is' nicht so, als würd' ich die gute, alte Erde nicht mögen, aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los... naja... zurückgelassen worden zu sein.

Das hat natürlich nicht nur Nachteile und macht viele Dinge einfacher. Hier in den hanseatischen Stadtstaaten zum Beispiel. Da wurd' ja früher viel diskutiert, was es mit dem Meeresspiegel auf sich hat... Klimawandel... und wie natürlich oder unnatürlich das alles ist.

Aber wenn die Leute aufhören zu diskutieren, weil's nich' mehr so wichtig ist, kommt man immerhin zu einer erfrischenden Erkenntnis:

Eigentlich ist es ziemlich egal, warum das Wasser da ist, wenn's dir erst mal bis zum Hals steht.

Gut, ich will jetzt auch gar nicht rumjammern, dass wir alle abgesoffen wären. Immerhin gab's ja auch bei uns genug reiche Pfeffersäcke, die nich' wollten, dass ihre Städte ganz absaufen.

Und hey! … Es ist auch nich' nur furchtbar, wenn alle zu den Sternen schauen und sich nich' mehr drum kümmert, was man so am Boden... oder im gräulichen Wasser der Tatsachen so macht.

Ich geb's zu, wir haben sogar ganz gut davon profitiert.

Wir... naja... wir sind eine von vielen kleinen Gruppen, die man in den Medien wohl als Piraten oder auch einfach Kriminelle abtun würde. Dabei kapern nur die wenigsten von uns wirklich mal 'nen ganzen Kahn. Zu hohes Risiko und ohne die richtigen Verbindungen... Wo bitte willst du 'nen riesigen Öltanker unauffällig zu Geld machen?

Außerdem hat' sogar vor ein paar Jahrzehnten mal ziemlich rosarot angefangen.. Ich würd' sogar behaupten, da gehörten wir ganz klar zu den Guten. Die ersten Gruppen waren Studenten.. Idealisten, Umweltschützer, die mit ihren Schlauchbooten den Planeten retten wollten, oder so. Nen guter, anständiger Anfang also – Ein bisschen bescheuert, aber anständig.

Natürlich sind über die Jahre immer mehr Typen wie ich dazu gekommen. Typen, denen vor allem die Freiheit abseits von Fabriken und Bürotürmen geschmeckt hat. Und wenn man bei aller Freiheit nicht leben will wie der letzte Waldschrat, braucht man halt den ein oder anderen kleinen Kniff, um ein wenig Geld in die Taschen zu spielen.

Die Klabautermänner, die Vitalienbrüder, die Sparrows...

Ein wenig Schmuggel, ein wenig Diebstahl, ein wenig Betrug... Damit lässt sich in den hanseatischen Staaten eigentlich ziemlich gut leben, solang man darauf achtet, nich' so erfolgreich zu sein, dass doch mal jemand wirklich wichtiges auf einen Aufmerksamkeit wird.

Herrje, ich hab' so einige meiner besten Jahre verbracht. Ich hab' frei gelebt, hab' das Leben auf der See und in den alten, engen Gassen in vollen Zügen genossen. Ich hab' sogar ein wenig drauf geachtet, immer noch zu den anständigen Drecksäcken zu gehören. Hab' nicht gemordet, hab' nicht von denen genommen, die selbst nichts hatten und hab nichts vertickt, was härter als n' Korn oder 'ne gute Prise Gras war.

Das Problem is' bloß... Wenn du immer den Kopf unten halten musst, um frei zu sein... Bist du dann wirklich frei?

Ich bin ja nu' kein beschissener Philosoph, aber irgendwann hat's mir zu sehr gestunken.

Mein Beispiel mit dem Öltanker... Warum sich echtes Kapern nich' lohnt, weil man sowas ja doch nirgendwo verhöckert kriegt.


Naja. Ich hab's versucht..


Und es hat geklappt. Einer der ganz großen Nummern des Jahres. Frag' mich bloß nich', warum ich so blöd war, es zu versuchen, aber für einen Moment hat mir die Kohle und .. naja.. auch die Bewunderung der Anderen Recht gegeben. Ganz große Nummer und ich schein' tatsächlich damit davon zu kommen.

Gut... Seitdem fühl ich mich schon irgendwie beobachtet, aber das sind vermutlich nur die Nerven. Is' vermutlich nur angemessen, wenn man so 'ne Nummer durchzieht. Naja okay... Diese fiesen Tagträume sind dann wohl nicht mehr ganz normal, aber das kann auch an dem Miesen Korn von den Klabautermännern liegen.. Verdammtes Selbstgebranntes. Daher kommt vermutlich auch das seltsame Klingeln in den Ohren.

Okay okay... Seitdem hab ich ein echt fieses Bauchgefühl... Aber das wird schon wieder. Der Öltanker is' auf jedenfall ein erster Schritt in Richtung richtige Freiheit. Eine, wo man nich' den Kopf unten halten mus.. Eine, wo kein Pfeffersack entscheidet. Hah.. Jetzt muss ich nur noch diese beschissenen Kopfschmerzen los werden.
 
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Tealk

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#2
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Sean MacGregor
#3
Ein Kopf voller Staub und Sterne

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musikalisches Ambiente

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Es wird Nacht und eine kühle Brise weht von der See her über die Wüstenstadt. Auf den hölzernen Stegen der Hafenanlage mag die frische, salzige Luft bereits Erlösung nach einem brütend heißen Tag spenden, doch im Schankraum des „Staub & Sterne“ hat sich die stickige, warme Luft gehalten und vermengt sich mit den Ausdünstungen der Menschen und dem unverkennbaren Geruch von Selbstgebranntem.

Die Stimmung ist gut, für einen Moment lehnt sich Peder zurück und beobachtet die Feiernden. Ja, auch ihn hat der Alkohol eigentlich recht sicher im Griff, aber in seinem Gewerbe hat er schnell gelernt, den Suff für ein paar klare Momente in die hinteren Hirnbereiche zu verbannen, ohne sich das anmerken zu lassen.

Ein wenig holprig rattert sein Verstand alles herunter, was er von seinen Gästen weiß, trägt Stärken, Schwächen und bisherige Einschätzungen zusammen. Auch das ist wohl ein Relikt aus seinem alten Gewerbe und wenn er ehrlich ist, mag Peder seine berechnende Art selbst nicht. Schnell prostet er den Anderen zu, kippt ein wenig Kartoffelschnaps herunter um den diesen wachen Moment nicht all zu wach zu gestalten.

Ausgelassen toben die anderen um jene seltsam edle Konstruktion herum, von der man sich bis jetzt noch nicht einig ist, ob es sich um ein Aquarium und einen Whirlpool handelt. Spätestens, seit Peder darin völlig durchnässte Unterwäsche zwischen den Fischen schwimmen sah, ist er allerdings klar für die Whirlpool-Auslegung.

Ein Mundwinkel wandert nach oben, schenkt seinen hageren, stoppeligen Zügen ein etwas schmutziges Schelmenlächeln. Die ganze betrunkene Bande erinnert ihn an seine Jugendzeit, verschafft ihm trotz allem Schnaps ein wärmendes, wohliges Gefühl in der Magengegend.

Gut, allerdings hat sich seine Bande selbst in den wildesten Zeiten nicht mit lautem Peitschenknallen gegenseitig um ein Aquarium... einen Whirlpool gejagt.

Langsam verfestigt sich in seinen wacheren Hirnregionen die Überzeugung, dass es diese alberne Ausgelassenheit wohl braucht, um in dieser neuen Welt nicht verrückt zu werden.

Irgendwo ganz hinten zwischen dem kalt berechnenden und dem vergnüglich besoffenen Peder kommt die unangenehme Frage auf, ob er die Grenze zum Wahnsinn nicht schon lange überschritten hat.

Die letzte Woche hat er so viele verwirrende Widersinnigkeiten als Tatsachen akzeptiert, dass er zumindest in seinem alten Zuhause wohl schon lange als völlig durchgeknallt gelten müsste.

Peder war immer stolz darauf gewesen, das Leben in vollen Zügen genießen zu können, ohne dass sich sein Verstand daran all zu sehr abgewetzt hätte, aber hier...


Er merkt, wie der denkende Teil den reichlich besoffenen Teil immer weiter verdrängt. Er ist sich ziemlich sicher, dass er nicht weiter zum grübelnden Weichei mutieren will.

Der Kartoffelschnaps? Könnte schon zu spät sein!

Und dann packt der Wurm plötzlich diesen kruden Stab aus. Blaue Funken, der Geruch von Ozon...

Okay, niemand hat gesagt, dass Wahnsinn nicht harte Arbeit sein kann!

Auf geht’s!
 
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Sean MacGregor
#4
Von Arschlöchern und Gaunerehre

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musikalisches Ambiente

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Mit der Nacht war es wieder angenehm kühl in der Stadt geworden. Das wusste Peder zu schätzen, war er von zuhause doch ein deutlich kälteres Wetter gewohnt.
Außerdem mochte er den klaren, leuchtenden Sternenhimmel, auch wenn er den leisen Verdacht hatte, dass er ihm reichlich verdreht und falsch vorkommen würde, wenn er mehr Ahnung von Astronomie gehabt hätte. Wissen machte längst nicht immer glücklich.
Er nahm auf einem der letzten Baugerüste Platz, die die innere Seite der felsigen Stadtmauer noch zierten. Hier hatte er einen recht guten Blick auf seine neue Heimat, erleuchtet von Fackellicht, Öllampen und einzelnen Lagerfeuern.
Wenn er ehrlich mit sich war, hatte er von Anfang an gewusst, dass hier ausschließlich Arschlöcher wohnen würden. Das war für sich genommen auch kein Problem, schließlich zählte er auch sich selbst nicht gerade zu den guten, anständigen und dümmlich selbstlosen Menschen.
Warum also störte es ihn so, dass der Lack der freundlichen, neuen Welt mit jedem Bröckchen neuer Erkenntnis weiter von den Mauern der Stadt bröckelte?
Seine Fingerkuppen strichen nachdenklich über den rauen Sandstein der wuchtigen Befestigungsanlage, die wilde, offensichtliche Bedrohungen von den weniger offensichtlichen Bedrohungen trennte.
Er lief ein ganzes Stück die Mauer entlang, ließ seine Gedanken weiter schweifen und versuchte zu begreifen, was da an ihm nagte. Vielleicht vermisste er einfach nur seine Heimat, die Hanseatischen Stadtstaaten, wo er jede Bucht, jeden Priel und jedes alte, schmierige Kopfsteinpflaster kannte.
Seine Freunde dort waren ebenfalls Arschlöcher gewesen. Diebe, Betrüger, Schmuggler, Schläger.
Wo also war der verdammte Unterschied?
Als er den neuen, hoch aufragenden Leuchtturm erreicht hatte und mit schnellen Schritten die Wendeltreppe hinauf gelaufen war, dämmerte es ihm.
Er stand vor dem Sprungbrett, dass dem wirklich Wagemutigen einen halsbrecherischen Satz in das tief unter ihm liegende Meer erlaubte. Der Unterschied war Vertrauen.
Auch Zuhause ließ man die Kumpels besser nicht mit der eigenen, gut gefüllten Tüte Gras alleine.
Und nach jeder erfolgreichen Unternehmung konnte man fest davon ausgehen, dass alle Beteiligten versuchten, den einen Deut besseren Schnitt zu machen als alle anderen.
Aber man konnte darauf vertrauen, dass sie zusammen standen, wenn es hart auf hart kam. Man konnte darauf vertrauen, dass man vielleicht etwas Gras los war, wenn man sich unbedacht umdrehte, dass man aber niemals ein Messer im Rücken haben würde.
Man konnte darauf vertrauen, dass man neben Lügnern und Dieben saß, aber nicht neben Psychopathen und Massenmördern.
Gaunerehre.
Diese Stadt brauchte Gaunerehre.
 
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Sean MacGregor
#5
Die Trauerfeier...

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musikalisches Ambiente
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Sie hatten es knallen lassen. Das volle Programm. Schnaps. Schwachsinn. Feuerwerk. Rauchgranaten. Noch mehr Schnaps.
Peder war alt genug, um zu wissen, dass man früher oder später für solche Exzesse bezahlen musste. Mit einem dröhnenden Schädel zum Beispiel. Oder damit, neben jemanden aufzuwachen, neben dem man lieber nicht aufwachen wollte. Oder mit einem seltsam diffus schlechten Gewissen, weil man noch ahnte, dass man etwas wirklich Mieses getan hatte... aber beim besten Willen nicht mehr sagen konnte, was genau.
Er hatte diese Art der Rechnung bisher immer mit einem Schulterzucken bezahlt oder... noch besser.. andere für sich bezahlen lassen.
Diesmal fiel es ihm jedoch nicht so leicht wie sonst. Es hatte Tote gegeben.. Naja, im Endeffekt einen Toten.. Dies war aber nichts, was er so einfach abschütteln konnte, vor allem da ihn das Gefühl nicht los ließ, an diesem Abend die Bühne für den Tod bereitet zu haben.
Schon bevor er in dieses neue Leben gezerrt worden war, hatte er einiges auf dem Kerbholz gehabt... Betrug, Einbruch, Diebstahl, Raub, Piraterie, Schmuggel, Drogenhandel, allgemeiner Lug & Trug und bestimmt auch die eine oder andere Körperverletzung, aber von Mord und Totschlag hatte er sich immer ferngehalten.
Es war unter anderem diese moralische Grenze, die ihm versicherte, trotz all dem Schmutz auf seiner weißen Weste noch immer... ganz tief drin... einer von den Guten zu sein.
Vielleicht war es einfach der Umstand, dass sich die Leute von allem, was er ihnen sonst so antat, irgendwie erholen konnten, solange sie nur zäh und clever genug waren... Mit dem Tod war das schwieriger, auch wenn der Goblin dies seit diesem Abend ein wenig in Frage stellte.
Vielleicht war er tief in seinem Inneren auch einfach ein beschissen-romantischer Schöngeist, der das Leben zu sehr liebte, um den Tod einfach so zu akzeptieren.
Und ganz bestimmt halft auch nicht, dass er die Irren irgendwie mochte, die hier so sorglos dem Tod entgegen tanzten.
Einige Stunden hatten diese Gedanken wie im Fieber in seinem Hirn gekreist. Er hatte das „Staub & Sterne“ geschlossen und sich viel Zeit auf dem Meer gegönnt.
Der kühle Wind auf See hatte geholfen. War wirklich er Schuld, wenn sich Wahnsinnige in die Luft sprengten, nur weil er zufällig den Sprengstoff ausschenkte?







… Und ihre Konsequenzen

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musikalisches Ambiente
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Vielleicht wäre die Antwort ein entrüstetes „Ja!“ gewesen, hätte er bis zu diesem Punkt ein anderes Leben geführt. Hatte er aber nicht.
Während sich die Gewissheit in seinem Hirn verhärtete, entfachte er das Feuer unter seinem verbeulten Kupferkessel.
Mal ernsthaft... Das Schiff der Irren und Wahnsinnigen fuhr in dieser Welt auf jeden Fall weiter.. Voll mit Betrunkenen, Feuerwerk und Toten. Er konnte natürlich versuchen, schmollend abzuspringen und diesem Narrenschiff mit weinerlichem Blick nachzuschauen.
Für Peder waren die Probleme bei dieser Lösung aber offensichtlich. Nach dem Absprung landete man zwangsläufig in einem dunklen Meer aus Einsamkeit und Selbstzweifeln... Und Peder hatte eine tiefe Abneigung gegen das Ertrinken.
Man verspielte außerdem jede Gelegenheit, dem Steuermann ab und wann mal unerwartet ins Ruder zu greifen.
Also nahm er sich vor, die Zähne zusammen zubeißen, seine Lektionen aus dieser Feier zu ziehen und sich anzupassen, klüger zu werden, sich weniger mit den Anderen treiben zu lassen.
Er rührte mit dem langen, hölzernen Löffel in der zähen, bläulichen Substanz herum, die so oder so seine nächsten Schritte maßgeblich begleiten würde.
Vermutlich würde er auch etwas härter, skrupelloser werden müssen, wenn er dem Steuermann... den Steuermännern?... das Ruder öfter streitig machen wollte.
Der saure Geruch seiner neuesten Testreihe stieg ihm in die Nase und schenkte ihm sein gewohntes, etwas zynisches Schurkenlächeln zurück. Nach einem lautlosen Rhythmus hatte er begonnen, gegen die schwere, eiserne Schöpfkelle zu schnippen, dabei in kleinen Kreisen durch die Küche zu tanzen.
Die Toten und Wahnsinnigen tanzen in dieser Neuen Welt... Also gut... Dann wollte Peder doch mal ausprobieren, in wie weit er den Takt vorgeben konnte.


Vielleicht ließ sich so das eine oder andere Schicksal in eine bessere Richtung verbiegen.

... auf jedenfall würde es aber mehr Spass machen, als dem Schiff einfach nur heulend nachzusehen.

... und ein passendes Werkzeug hatte er auch schon...
 
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#6
Für eine (wirklich beschissen große) Hand voll Eisenbarren

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Ein wenig wehmütig betrachtete Peder die nächtliche, vom flackernden Feuerschein erleuchtete Fassade des „Staub & Sterne“. Er hatte ohne Frage gute Zeiten dort verbracht und Leute kennen und schätzen gelernt, die zweifellos gefährlich, verrückt und grund sympathisch waren.
Ja, die Taverne in der Wüstenstadt war ihm immer etwas zu prunkvoll und sauber gewesen, aber er hatte sie dennoch schmerzlich liebgewonnen.
Das jetzt die greifbare Möglichkeit im Raum stand, sie hinter sich zu lassen nagte mehr als nur ein wenig an ihm.
Peder war durchaus stolz darauf, gedankenschnell und instinktiv schwierige Entscheidungen treffen zu können. Aber wie viele, die sich vor allem auf ihren Verstand verließen, bekam er Probleme, wenn er diesem Verstand zu viel Zeit zum arbeiten ließ.
Nun stand da diese gewaltige... nun... „Ablösesumme“ im Raum... und das ganz ohne die Gefahr, danach für einen verhassten Verein in rot-blauen Trikots spielen zu müssen.
Unter anderen Umständen hätte er das Angebot wohl auch umsonst angenommen.
Aber erstens konnte er das Geld... nein... die Eisenbarren... diese riesige Menge elendlich unhandlichen Währungsersatzes gut gebrauchen und zweitens war das Angebot auch für sich genommen aus verschiedenen Gründen höchst verlockend.
Die Idee, dass er ausgerechnet als Wirt plötzlich einen eigenen, durchaus beachtlichen Wert darstellte, war so absurd, dass er bei dem Gedanken leise in die Dunkelheit kichern musste.
Eigentlich war doch alles großartig? Ablösesumme... Ein durchaus wünschenswerter Umzug... und vielleicht würde er auch die elenden Kopfschmerzen los, die ihn in der Wüstenstadt immer wieder plagten.
Das Problem waren die gefährlichen, grundsympathischen Verrückten. Nicht weil er Angst vor ihnen hatte, sondern weil er dieses kleine, hässliche Gefühl nicht mochte, diese Verrückten im Stich zu lassen. Peder konnte noch nicht einmal genau greifen, woher dieses Gefühl kam... zumal ihn sein Weg ja nun wirklich nicht weit weg in einer eh recht überschaubaren Welt führte.
Er trat vom hölzernen Kai aus an den Rumpf des Schiffes, streckte die Arme von sich und schloss die Augen, um den Küstenwind ganz bewusst genießen zu können. Wenn richtig und falsch nicht mehr klar umrissen waren, musste man sich halt treiben lassen...
 
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#7
Der Welpe...

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Eine neue Kneipe. Ein neues Leben. Ein klein wenig vermisste Peder das Chaos in der Stadt der Diebe, allerdings verblasste dieses Bauchgefühl gegen die neuen Rätsel, die ihm dieser neue Lebensabschnitt servierte.
Eines dieser Rätsel saß jetzt vor ihm... Eine Schulterpartie wie ein Ochse, langes braunes Haar, Hände, die vermutlich mühelos Knochen brechen konnten... und der hilfloseste Kerl, dem Peder je begegnet war. Nun... „hilflos“ war vielleicht das falsche Wort, immerhin musste man diesem Mann nur ein paar Äste und ein wenig Mutterboden in die Hand drücken und er baute daraus ein mehrstöckiges Feriendomizil... mit viel zu vielen Blumen, Efeu und anderem Salat.
Trotzdem tapste ihm sein Gegenüber mit der herzerwärmenden Unschuld eines übergroßen Bernhardiner-Welpen entgegen. Er tapste ein wenig hierhin, tapste ein wenig dorthin und ab und zu versuchte er sich an einem kleinen Kunststück...
Der strohblonde Wirt beobachtete den Welpen mit gerunzelter Stirn. Er wirkte zerknirscht, suchte die Schuld, für alles was um ihn herum passierte, bei sich selbst, obwohl die Fakten eigentlich für alle sichtbar auf dem Tresen liegen sollten.
Für einen jüngeren, scharf kantigeren Peder wäre der Mann auf der anderen Seite dieses Tresen vor allem eines gewesen: Das perfekte Opfer.
Hier und jetzt aber war diese tapsige Unschuld etwas, dass ihn fast zur Verzweiflung führte. Weil sie den Welpen auf eine absurde Art und Weise beschützte. Sobald man darüber nachdachte, ihn ernsthaft aufs Kreuz zu legen, machte sich dieses hinterhältige Gefühl von Unsportlichkeit in der Magengegend breit...
Und wenn man darüber nachdachte, ihn zum eigenen Vorteil in einen Abgrund zu stoßen... Nun... Was für ein Arschloch musste man sein, um einen tapsigen Welpen zu schubsen?






… Und das Böse.

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musikalisches Ambiente
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… Dabei hätte es durchaus einen guten Grund gegeben, ausgerechnet diesen tapsigen Welpen zu schubsen. Dieser Grund saß nur wenig später genau vor ihm, dort wo vorher noch der junge Hund gesessen hatte.
Dieser Grund war zu guten Teilen hinterhältig, berechnend, böse und trug viel zu viel Pink.
Und drei dieser vier Dinge wusste Peder absolut zu schätzen. Es war angenehm, genau zu wissen, nicht der einzige berechnende Drecksack einer kleinen, neuen Welt zu sein.
Er fühlte sich weniger allein unter Welpen, Verrückten und Idioten - und das war eine Menge wert. Nagut... Vermutlich spielte der nette Arsch unter den hellen Seidenstoffen auch eine nennenswerte Rolle in seiner Beurteilung.
Der Punkt war aber, dass sich dieses pinke Böse... seiner Ansicht nach... viel zu lange an den Welpen gebunden hatte.
Warum..?
Da gab es mindestens zwei verschiedene Blickwinkel, zwischen denen Peder fließend hin und her wechseln konnte. Auf der einen Seite konnte man gewiss behaupten, dass ihr scharfer Verstand bei diesem Kerl schon ein wenig wie die sprichwörtlichen Perlen vor den Säuen wirken musste...
Herrje.. Der Wirt konnte die Zahnräder hinter dem Welpengesicht jedes verdammte Mal quälend langsam arbeiten sehen, wenn er einmal versuchte, listig zu sein!
Auf der anderen Seite.. hatte so ein netter Kerl wirklich so ein Miststück in seinem Bett verdient?
Spielerisch warf er die beiden Perspektiven ein wenig hin und her... nicht, weil wirklich grübelte, eher, weil ihn die unterschiedlichen Schlussfolgerungen amüsierten.
Es war eher ein Tanz um Einschätzung... Weltanschauung und der natürlich völlig ungetrübten Sicht auf sich selbst!


Weil er, Peder Walpot, tief in seinem Herzen doch ein anständiger Hamburger Jung' geblieben war, konnte er den Welpen natürlich nicht einfach in den Abgrund stürzen. Und weil er gleichzeitig ein talentierter Lügner und Betrüger war, erkannte er andere Talente mit vergleichbaren Begabungen. Das pinke Böse gehörte eindeutig dazu! Und er wäre wirklich ein schlechter Mensch gewesen, wenn er nicht dazu bereit gewesen wäre, seinen etwas tapsigen neuen Freund vor solchem Unheil zu bewahren. Alles nur zu seinem Besten. Und er blieb ein anständiger Schuft.
So musste die Geschichte am Ende einfach für alle ein glückliches Ende nehmen!
 
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